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Was kommt nach dem Wachstum?

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Derzeit beschäftigen sich in Europa immer mehr Menschen mit der Frage, wie und ob gesellschaftlicher Wohlstand innerhalb einer Wirtschaft ohne Wachstum dauerhaft verwirklicht werden kann. Welche Rolle spielen hierbei Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und die Wissenschaft? Auch an den Hochschulen in Karlsruhe wird dazu geforscht.

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Wirtschaft ohne Wachstum?

In der politischen Debatte ist Wirtschaftswachstum ein zentrales Element. Es ist sogar im deutschen Grundgesetz verankert: Das „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“  von 1967 sieht unter anderem ein „angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum“ vor – also ein stetiges Ansteigen der Produktion und des Konsums.

Diese wachstumsbasierte Wirtschaft verursacht jedoch Umweltverschmutzung und Emissionen, die zur Zerstörung von Lebensräumen führen, die von Mensch, Tier, und Pflanze gebraucht werden. Doch nicht nur diese sind darauf angewiesen, sondern die Verfügbarkeit von Ressourcen aus diesen natürlichen Lebensräumen ist auch für die Wirtschaft notwendig. Vor allem sind die zur Energiegewinnung notwendigen Ressourcen endlich und werden immer knapper.

Der Club of Rome prognostizierte 1972 in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, dass das Wachstum der Weltwirtschaft aus diesen Gründen zusammenbrechen wird. Und tatsächlich, inzwischen fallen die globalen Wachstumsraten, die sozialen Ungleichheiten nehmen regional und global zu und der Klimawandel beginnt sich zunehmend bemerkbar zu machen. Es ist also an der Zeit, Alternativen zur Wachstumswirtschaft zu entwickeln.

Wachstumskritik in Wissenschaft und Politik

Auch in Politik und Wissenschaft kehrt die Kritik am Wachstumsdogma langsam ein. Von 2010 bis 2013 tagte die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des deutschen Bundestags zu Fragen wie „Was ist eigentlich Wohlstand?“, „Wie hängt Wohlstand mit Wirtschaftswachstum zusammen?“, oder dazu, wie und ob sich Ökologie, soziale Gerechtigkeit, und Wirtschaft(swachstum) vereinen lassen. Vor allem die Postwachstumsbewegung (engl. Degrowth), eine sowohl aktivistische als auch wissenschaftliche Bewegung mit Wurzeln im südeuropäischen Raum, spricht sich gegen Wirtschaftswachtum aus. Darauf basierend wird der Frage nachgegangen, wie ein gutes Leben in einer Postwachstumsgesellschaft beschaffen und möglich ist. Jedoch gibt es – trotz vieler engagierter Gruppen und Einzelpersonen – aus wissenschaftlicher Perspektive noch vergleichsweise wenige Forschungsarbeiten und –ergebnisse rund um den Postwachstumsdiskurs.

Ein Workshop des ITAS und der Karlshochschule

Aus diesen Gründen veranstaltete das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT gemeinsam mit der Karlshochschule International University am 5. und 6. November den Workshop „Forschungsperspektiven für eine Postwachstumsgesellschaft“. TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen diskutierten zum einen über Konzepte und Theorien einer Postwachstumsgesellschaft im Hinblick auf die thematischen Schwerpunkte Stadt, Technik und Unternehmen. Zum anderen erörterten sie, welche Forschungsperspektiven rund um das Thema Postwachstum es gibt oder geben könnte.

Wichtige Fragestellungen

Grundsätzlich muss geklärt werden, was allgemein unter dem Begriff „Wachstum“ und „Wachstumskritik“ zu verstehen ist. So existieren unterschiedliche Arten des Wachstums wie der Anstieg der Produktion, Gewinnsteigerung, die wachsende Anzahl an KonsumentInnen oder die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Des Weiteren ist offen, ob und welche Wachstumsprozesse auch in einer Postwachstumsgesellschaft sinnvoll sind.

Es gilt ferner abzuschätzen, welche Vorteile ein Wachstumsverzicht für Akteure der Wirtschaft mit sich bringen kann. Was etwa sind Anreize für kleine Unternehmen, klein zu bleiben? Inwiefern sind sie dann überlebensfähig? Und kann man das Wachstum und die Größe von großen Unternehmen verringern, ohne dabei gesamtgesellschaftlich Stellenabbau zu betreiben?

Auch muss weiter erforscht werden, wie entschieden werden kann, welche Entwicklungsländer noch wieviel wachsen dürfen und welche Industrienationen sich bremsen oder gar schrumpfen müssen. Dass es hierfür eines sorgfältigen ethischen Diskurses bedarf und dies auf politischer Ebene äußerst schwierig ist, zeigen die Klimagipfel der letzten Jahrzehnte.

Auch die Rolle technischer Innovationen in der Postwachstumsgesellschaft muss noch geklärt werden. So führt etwa das Internet zwar zu großem Wirtschaftswachstum, andererseits bietet es zugleich Chancen zum Wandel: Als Beispiele seien die Begriffe „Open Source“ oder „Open Knowledge“ genannt sowie der digitale Austausch im Internet zwischen Reparatur-Cafés oder FabLabs. Wie viel Technologie man also in welchen Bereichen sinnvoll einsetzt, muss im insgesamt und im Einzelfall erörtert werden.

Letztlich lohnt sich auch der Blick ins eigene Umfeld: Wo und wie kann ich dazu beitragen, meine Umgebung lebenswerter zu machen und einen Beitrag für ein gutes Leben zu leisten? In dieser Verantwortung sieht sich auch das Quartier Zukunft. Es gilt zu erproben, wie und ob in der Karlsruher Oststadt Elemente einer Postwachstumsgesellschaft hergestellt werden können, wie wir diese lebenswert gestalten können, und ob der Ansatz der Nachhaltigen Entwicklung einen hierfür geeigneten Rahmen bietet.

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